Quantitäts-Gesellschaft

crowd-296520_1280.jpgFolgende Gedanken gingen auf eine spontane Intuition zurück, die besagt: Die Gegenwart der westlichen Kultur ist geprägt von einer Überbetonung der Quantität gegenüber der Qualität. Dies gilt es zu erläutern.

Unter „Quantität“ soll eine Kategorie der Menge verstanden werden. Es ist eine rein numerische Größe. „Qualität“ dagegen verweist auf eine Ordnung, Gliederung, Strukturierung der Menge nach bestimmten Gesichtspunkten, z.B. Kriterien der Reihenfolge, der Relevanz, der Rangordnung, des Wertes. Weiterlesen

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Buchbesprechung: Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“

dostoevsky-3571776_1280»Er liebt doch niemand; und vielleicht wird er nie jemand lieben«

Literatur, wie jede Kunst, hat die Fähigkeit, bestimmte Wahrheiten in ihrem lebendigen Zusammenhang darzustellen. Es lohnt sich daher, neben der theoretischen Analyse der Wissenschaft, immer auch das lebende Beispiel im Blick zu behalten – seien es die eigenen Mitmenschen oder das Leben in der Literatur. Gute Literaten vermögen es, bestimmte Arten der Lebensführung mit allen Eigenarten ihrer Psychologie und Philosophie, idealtypisch auszuarbeiten. An dem Protagonisten eines Romans können wir eine Lebensphilosophie in ihrer Praxis beobachten.

Für einen philosophischen und psychologischen Menschen übt Dostojewski hier eine unverkennbare Anziehung aus.  Sein bekanntestes Werk „Verbrechen und Strafe“ (auch: „Schuld und Sühne“, aber die Übersetzung von Swetlana Geier ist unbedingt zu empfehlen) beeindruckt durch die genaue Beschreibung der psychologischen Struktur verschiedenster Charaktere, sei es die hysterische Mutter, die naive Gläubige, der unmoralische Lebemann, der idealistische Kommunist oder der vom Gewissen geplagte Mörder. Weiterlesen

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Gastbeitrag: Techno – ein (kritischer) Einblick

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Auf dem „Sonnendeck“ des Fusion Festivals um 6 Uhr Morgens

In gesellschaftlicher Hinsicht kann das Phänomen Techno weder als eine Übernahme von Prinzipien der Leistungsgesellschaft gedeutet werden, noch kann von einem sozialen Protest gesprochen werden. Mit Ausnahme der „Love-Parade“, die 1989 unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ als politische Demonstration zum ersten Mal in Berlin angemeldet wurde, sind Techno-Veranstaltungen häufig unpolitisch.

Die Technoszene hebt sich gerade dadurch ab, dass sie keine politischen Statements über die Musik transportieren will – wie es beispielsweise bei der Hippie-Bewegung oder beim Punk-Rock der 70er Jahre der Fall war. Vielmehr richtet sich die Technoszene dezidiert gegen Politisierung, gegen den Ernst des Lebens. Und sie tut es nicht in Form eines Protestes, sondern durch einen mehr oder weniger bewusst gelebten Hedonismus. Die Lust spielt im Techno eine zentrale Rolle. Techno ist Lust. Sei es Lust auf Sex, auf Ekstase, auf ungehemmten Konsum von Musik und Rauschmitteln. Wer gezielt in einen Techno-Club oder auf ein elektronisches Festival geht, will Lust erleben. Weiterlesen

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Der Hang zum Destruktiven

flame-726268_1920.jpgBei bestimmten Menschen und bestimmten Lebenslagen entsteht eine Anziehung zum Destruktiven, will heißen: zum Selbstzerstörerischen, Irrationalen. Ein Hang zum Tragischen, zum Untergang. Damit einher geht ein Ekel gegenüber dem „Schönen, Wahren und Guten“. Ebenso ein Ekel für alles Romantische, Liebliche, Sanfte, Mittelmäßige.

Befriedigung findet dieser Geschmack in Philosophen wie Nietzsche: Mit welcher Genugtuung und Anteilnahme liest ein solcher den Zarathustra mit diesen Worten:

„Mit meinen Thränen gehe in deine Vereinsamung, mein Bruder. Ich liebe Den, der über sich selber hinaus schaffen will und so zu Grunde geht.“ (Za 83)

„Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.“ (Za 17)

„Ich liebe Den, welcher seine Tugend liebt: denn Tugend ist Wille zum Untergang und ein Pfeil der Sehnsucht.“ (ebd.)

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Kapitalismuskritik an der Universität

Karl Marx Basis-Überbau-Theorie

Marx und die „reale Basis“

Eine interessante Szene spielte sich heute in einem Seminar in der Universität ab. Das Seminar handelt, grob gesagt, vom „Kapitalismus“. Aus diesem Grund ist es natürlich recht ideologisch aufgeladen, wie schon der Begriff „Kapitalismus“ zumeist eine (ab)wertende Implikation hat. Und wie es an einer europäischen Universität in diesen Zeiten zu erwarten ist, herrscht ein allgemeiner Konsens in der Kapitalismus-Kritik.

Auch ich trage allerlei kritisches Gedankengut in mir hinsichtlich unseres sehr ökonomisch orientierten Zeitalters. Dennoch spüre ich in so einem Seminar sehr schnell, wie völlig anders meine Kritik des Kapitalismus sich akzentuiert im Gegensatz zu meinen Kommilitonen. Weiterlesen

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Der leidende Philosoph

Bildschirmfoto 2018-07-29 um 22.44.51Jüngst las ich nochmal Ausschnitte aus Platons Symposion, dem Dialog, in dem die verlangende Liebe (der Eros) bestimmt wird. Sie spendeten mir unerwartet Trost, was ich kurz erfassen möchte.

Zur Rückbesinnung: Eros wird in mythologischem Rückgriff als ein Dämon, also ein Zwischenwesen, klassifiziert. Das liegt daran, dass die Liebe ihrem Wesen nach einen Mangel voraussetzt: Man verlangt nur, was man nicht hat. Ein Gott hat alles und kann daher nicht „verlangende Liebe“ sein. Eros ist Mangel und Streben nach Vollkommenheit. Damit repräsentiert er gleichsam die Figur des Philosophen („Liebe zur Weisheit“).

In der den Eros beschreibenden Stelle heißt es: Weiterlesen

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Das emotionale Problem politischer Diskurse

Eigentlich liegt es mir nahe, hier mehr zur „Politik“ zu schreiben. Schließlich habe ich das viel studiert und obwohl mein Schwerpunkt sich stark auf allerlei philosophische Themen verlegt hat, bleibt die Politik für mich ein spannendes Feld und mein Interesse an tages- und weltpolitischen Problemen nimmt in letzter Zeit sogar zu.

Dennoch meide ich das Thema gerne und so gut wie gar keiner meiner Beiträge enthält bisher explizit politische Themen oder „Meinungen“. Genauso meide ich auch im sozialen Kontakt mit Familie und Bekannten überwiegend das politische Gespräch. Der Grund für all dies ist klar: die hohe Emotionalität bzw. Irrationalität, die mit politischen Themen verknüpft ist. Derlei Gespräche bleiben selten sachlich, fragend, forschend… Vielmehr wird die sachliche Ebene zumeist schnell übersprungen, um gleich zur „Wertung“ überzugehen. Und da ist es meist so: Mit einer politischen Meinung steht und fällt ein sozialer Kontakt. Weiterlesen

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Spontane Reflexionen zur romantischen Liebe

Ein merkwürdiges Lob einer Form der Liebe, die sich als ohnmächtige Liebe beschreiben ließe, dominiert unsere Kultur seit etwa der Moderne: Der Liebende soll „schwach werden“, sich „selbst vergessen“, den „Kopf verlieren“, den „Kopf verdreht“ kriegen. Das englische „fall in love“ betont noch treffender das ohnmächtige „Verfallen“, das als romantisches Ideal unsere Köpfe dominiert.

Wie kommt es dazu? Warum loben wir ein Verhalten, das von den irrationalen, unbewussten Kräften in uns geleitet ist? Ein Verhalten, das nicht kontrolliert wird? Zumindest heißt es, man könne sich „nicht aussuchen, in wen man sich verliebt“ (um eine weitere Alltagsfloskel zu bemühen). Ich frage mich dies nur, weil die Philosophie in großen Teilen von einem Lob derjenigen Kräfte im Menschen geprägt ist, die vernünftig sind. Zumindest lässt sich unter dem Begriff der Vernunft dasjenige Vermögen des Menschen begreifen, das ihn vom Tier abhebt: Das Vermögen, das ihm ermöglicht planend und nach Maßgabe eines überlegten Gedankens vorzugehen. Das Vermögen des Innehaltens, das nicht einfach nach dem Reiz-Reaktions-Schema gleich dem Instinkte auf die Welt reagiert. Das Vermögen, das nach Gründen und nicht nach spontanen Affekten vorzugehen vermag. Weiterlesen

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Reflexionen zum Tragischen in der griechischen Sagenwelt

Geschichten jeglichen Zeitalters und literarischen Stils waren stets geprägt vom Motiv des „leidenden Individuums“, die tragische Komponente des Lebens in all ihren vielschichtigen Facetten ist das, was uns eine Geschichte interessant macht.

Ich habe kürzlich begonnen, mich ein wenig mit der griechischen Mythologie zu beschäftigen. Der Grund ist neben bloßer Wissenslust der Beitrag, den eine Grundkenntnis der griechischen Sagen leisten kann für das Verständnis der hellenistischen Kultur und insbesondere natürlich: für die antike Philosophie.

Die folgenden Ausführungen stellen einen ersten Versuch der Systematisierung der griechischen Sagen nach bestimmten Gesichtspunkten dar. Der Text ist nach folgenden Punkten aufgegliedert:

  1. Zum Wesen der griechischen Tragödie
  2. Soziologische Deutung: Die Bestimmung des Sozialen
  3. Psychologische Deutung: Vergöttlichte Triebe und das Wesen der Leidenschaft
  4. Ästhetische Deutung: Das Moment der Entzückung
  5. Philosophische Deutung: Die Überwindung des Tragischen
  6. Der Fall Ödipus (Beispiel)

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Jimmy (Moriarty cover)

Mehr Musik mit Mirja. Genre: „Country“ oder so.

Zu diesem Lied fällt mir nun wirklich kein toller philosophischer Hintergrund ein. Ich habe noch nie groß auf den Text geachtet, aber denke nicht, dass er notwendigerweise tiefsinnig ist.

Die Stimmung des Liedes versetzt mich in die heiße Steppe des Wilden Westens, Fliegen summen nervig vor dem Gesicht herum und lassen sich nur für wenige Sekunden verscheuchen. Weiterlesen

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